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Eine Fähre, ein Sommer und die Frage nach dem Leben
Tage am Fluss
Autor
Jochen Mariss
Sprecher
Heike Warmuth, Nils Kretschmer
Verlag
Argon Verlag
Im Rahmen der NetGalley Challenge 2026 habe ich das Hörbuch „Tage am Fluss“ von Jochen Mariss gehört. Gelesen wird die Geschichte von Heike Warmuth und Nils Kretschmer.
Das Hörbuch
Sara Harmsens Familie betreibt seit mehreren Generationen die Fähre am Grünen Mond. Nachdem ihre Eltern bereits verstorben sind und auch ihr Bruder durch einen Unfall ums Leben kam, lebt Sara nun alleine mit sieben Hühnern, drei Schafen und ihrer Hündin Luna. Für etwas Abwechslung sorgen lediglich die Fährgäste, die zwischen dem Dorf Erlengrund und dem Rest der Welt pendeln.
An einem heißen Sommertag taucht plötzlich ein junger Mann an der Fähre auf. Er ist am Kopf verletzt und besitzt kein Geld für die Überfahrt. Dennoch nimmt Sara ihn mit und bietet ihm sogar eine Übernachtungsmöglichkeit an. Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie noch nicht, wie sehr dieser Fremde ihr Leben verändern wird.
Leon war einer der Baumbesetzer im nahegelegenen Wald. Dort sollen für den Bau einer Autobahn zahlreiche alte Bäume gefällt werden. Darüber verliert er gegenüber Sara zunächst jedoch kein Wort. Ebenso wenig verrät er ihr, dass er ursprünglich aus Erlengrund stammt.
Aus einer geplanten Übernachtung wird schließlich ein längerer Aufenthalt. Leon hilft Sara bei den Arbeiten rund um Hof und Fähre. Gleichzeitig gerät Saras eigene Zukunft ins Wanken, denn der Bürgermeister plant den Bau einer Brücke direkt neben ihrem Grundstück. Eine Entscheidung, die das Ende der traditionsreichen Fähre bedeuten könnte.
Meine Meinung
Die Geschichte von Sara und Leon zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es sein kann, im hektischen Alltag einmal innezuhalten und das eigene Leben zu hinterfragen.
Seien wir ehrlich: Die meisten von uns leben heute im Überfluss. Dabei gerät schnell in Vergessenheit, dass manchmal weniger tatsächlich mehr sein kann. Tage am Fluss greift diese Gedanken auf, ohne dabei belehrend zu wirken. Gleichzeitig zeigt der Roman, wie sehr uns auch die eigene Vergangenheit prägen und manchmal sogar ausbremsen kann.
Die gemeinsamen Sorgen um unseren Planeten bringen Sara und Leon einander näher. Obwohl die Handlung nur einen vergleichsweise kurzen Zeitraum umfasst, gelingt es Jochen Mariss, seinen Figuren bemerkenswerten Tiefgang zu verleihen.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Sara und Leon erzählt wird. Im Hörbuch wird dieser Perspektivwechsel zusätzlich durch die beiden Sprecher unterstrichen. Heike Warmuth und Nils Kretschmer verleihen den Figuren glaubwürdige Stimmen und transportieren die Emotionen der Geschichte sehr gelungen.
Für mich gehört Tage am Fluss zu den besten Geschichten dieses Sommers.
Fazit
Mit „Tage am Fluss“ ist Jochen Mariss ein beeindruckendes Romandebüt gelungen. Die Geschichte verbindet ruhige Töne mit wichtigen Themen wie Nachhaltigkeit, Verlust, Neuanfang und der Frage, was im Leben wirklich zählt.
Dank der authentischen Figuren, der gelungenen Atmosphäre und der starken Hörbuchumsetzung konnte mich die Geschichte von der ersten bis zur letzten Minute fesseln.
Von mir gibt es eine klare Empfehlung und 5 von 5 Sternen.
Der Autor
Jochen Mariss, geboren 1955 in Köln, studierte Grafik Design mit Schwerpunkt Fotografie in Bielefeld und war Mitbegründer des Verlags Grafik Werkstatt. Hier erschienen zahlreiche Gedichte und Fotografien von ihm, u.a. in Form von Foto-Text-Postkarten, Plakaten, Kalendern und Büchern, und erreichten eine Gesamtauflage von mehr als einer Million. Diese lyrischen Texte waren der Beginn seiner schriftstellerischen Arbeit, es folgten Kurzgeschichten, Kinderbücher und Romane. Heute lebt er als freier Schriftsteller in Bielefeld. Tage am Fluss ist sein Romandebüt.
[Quelle: Argon Verlag]

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