Mit alten Maschinen zum großen Durchbruch – Rudolf Lindts Vision
Inhalt
Im Mittelpunkt steht diesmal Rudolf Lindt, der Sohn eines Apothekers. Sein Vater sieht in ihm bereits den zukünftigen Nachfolger – doch Rudolf verspürt wenig Begeisterung für diesen Weg. Ein einschneidendes Erlebnis verändert jedoch vieles: Als er beinahe von einer Pferdekutsche überfahren wird, rettet ihn das Blumenmädchen Binia im letzten Moment. Trotz der gesellschaftlichen Unterschiede – Binia stammt aus der Berner Unterschicht – entwickelt sich zwischen den beiden eine besondere Verbindung.
Der tragische Tod seiner Schwester Fanny erschüttert Rudolf zutiefst. In dieser schweren Zeit bietet sein Onkel aus Lausanne ihm eine Lehrstelle in dessen Schokoladenfabrik an. Dort beginnt Rudolf ganz unten, schleppt Säcke und erledigt einfache Arbeiten. Doch sein Wissensdurst ist geweckt: Mit großer Neugier verfolgt er jeden Produktionsschritt und eignet sich umfassende Kenntnisse an.
Zurück in Bern fasst er den Entschluss, eine eigene Schokoladenfabrik zu gründen. In der Berner Matte – ausgerechnet jenem Viertel, aus dem Binia stammt – beginnt er mit bescheidenen Mitteln seinen Traum zu verwirklichen. Da es an Geld fehlt, arbeitet er mit alten Maschinen. Gemeinsam mit dem Mechaniker Köbi tüftelt er an Verbesserungen – und entwickelt schließlich eine neue Methode der Schokoladenherstellung, die die Fachwelt staunen lässt.
Parallel dazu verfolgt der Roman weiterhin die Entwicklung der Familie Sprüngli, die inzwischen in zweiter Generation in Zürich Schokolade produziert. Damit bleibt auch der Blick auf die zweite große Schweizer Chocolatiers-Dynastie erhalten.
Mein Eindruck
Nachdem im ersten Band die Familie Sprüngli stärker im Mittelpunkt stand, widmet sich dieser Teil vor allem Rudolf Lindt. Mir hat diese Schwerpunktverlagerung sehr gut gefallen. Lisa Graf gelingt es erneut, historische Fakten mit einer lebendigen, emotionalen Erzählweise zu verbinden. Besonders die Darstellung von Rudolfs Ehrgeiz, seinem Forscherdrang und seinem Mut, gegen gesellschaftliche Erwartungen seinen eigenen Weg zu gehen, ist überzeugend ausgearbeitet.
Der Roman liest sich flüssig und angenehm. Die Figuren wirken glaubwürdig, und die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts wird anschaulich eingefangen. Auch die gesellschaftlichen Unterschiede jener Zeit werden greifbar dargestellt. Von mir gibt es wieder fünf Sterne.
Mit „Lindt & Sprüngli – Zwei Dynastien, ein Vermächtnis“ erscheint im Herbst 2026 der dritte Band der Reihe, auf den ich bereits sehr gespannt bin.
- Zwei Familien, eine Leidenschaft
- Zwei Rivalen, ein Traum
- Zwei Dynastien, ein Vermächtnis (ab Herbst 2026)
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| © Carina Engle |
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