Auf dem Schulweg verschwunden – Wahre Verbrechen, die fassungslos machen
Auf dem Schulweg verschwunden
Kinderschicksale
Autorin
Gabi Thieme
Verlag
Paperento
Medium: Taschenbuch
Seitenzahl: 320
Preis: 16,00 € (Amazon*)
Erschienen: 01.05.2025
ISBN: 978-3-947409-70-9
Bewertung: ★★★★★
Auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse wurde das Buch „Auf dem Schulweg verschwunden“ von Gabi Thieme vorgestellt. Lange habe ich überlegt, ob ich es lesen soll, denn das Thema ist sensibel: Es geht um wahre Verbrechen an Kindern. Letztlich habe ich mich dafür entschieden – und die Lektüre hat mich tief bewegt.
Die Journalistin erzählt die Geschichte zweier Vermisstenfälle von Schulkindern aus Mitteldeutschland. Der erste Teil widmet sich dem Schicksal von Michael (10 Jahre) aus dem Erzgebirge. Jeden Morgen macht er sich zu Fuß auf den langen Weg zur Schule, doch eines Tages kommt er dort nicht an. Eine große Suchaktion bleibt erfolglos. Plötzlich tauchen Briefe eines Unbekannten auf, der behauptet, den Täter zu kennen. Doch von Michael fehlt weiter jede Spur. Monate später wird weit entfernt eine Kinderleiche gefunden, die zu ihm passt. Aber wer ist der Täter?
Gabi Thieme beschreibt nicht nur die Ermittlungen und Gerichtsprozesse, sondern auch die Schicksale der Familien und ihr eigenes Erleben als Journalistin, die damals für eine regionale Zeitung berichtete. Man spürt, wie intensiv sie recherchiert hat. Auch viele Jahre später hat sie erneut Kontakt zu Angehörigen und Ermittlern aufgenommen, um ein umfassendes und sehr detailreiches Bild zu zeichnen.
Besonders eindringlich sind die Schilderungen der Gefühle der Eltern und Großeltern. Ich war beim Lesen fassungslos, wie Menschen zu solchen Taten fähig sind. Nach dem Kapitel über Michael musste ich das Buch erst einmal zur Seite legen – die Gedanken ließen mich nicht los.
Im zweiten Teil geht es um Ayla (6 Jahre) aus Zwickau, die auf dem Schulweg entführt und später in einem Wald tot aufgefunden wurde. Die Brutalität, mit der der Täter vorgegangen sein muss, erschüttert selbst erfahrene Ermittler. Gabi Thieme macht in ihrem Buch auch deutlich, dass unser Rechtssystem Grenzen hat: Solche Täter können nicht dauerhaft weggesperrt werden, obwohl man es sich angesichts der Verbrechen wünscht.
Das Buch weckt zudem Erinnerungen an andere Fälle, wie etwa den von Inga (5 Jahre), die 2015 bei einer Familienfeier nahe Stendal verschwand. Bis heute ist unklar, was mit ihr geschehen ist.
Fazit
„Auf dem Schulweg verschwunden“ ist kein leichtes Buch, aber ein wichtiges. Es beleuchtet wahre Kriminalfälle aus der Perspektive der Familien, Ermittler und der Journalistin, die alles eng begleitet hat. Mich hat die Lektüre stark bewegt und lange nachdenklich zurückgelassen.
Die Autorin
Gabi Thieme, Jahrgang 1953, geboren und aufgewachsen im Erzgebirge, studierte in Leipzig Journalistik und arbeitete ab 1976 als Redakteurin und stellvertretende Leiterin der Außenstelle Karl-Marx-Stadt der Nachrichtenagentur ADN. 1990 wechselte sie zur bis heute größten Regionalzeitung Ostdeutschlands, der »Freien Presse« in Chemnitz, bei der sie bis Ende 2018 tätig war. Sie kennt die großen Kriminalfälle der Region und hat über die spektakulärsten nicht nur in der Zeitung ausführlich berichtet, sondern sie in jüngster Zeit in spannenden Büchern aufbereitet. 2020 erschien »Mord im Regionalexpress«, 2022 »Das fast perfekte Verbrechen«. Ein dritter True-Crime-Band ist in Vorbereitung. Mit den vorliegenden Kurzgeschichten betritt die Autorin Neuland. Sie erzählt sehr private Episoden und Erlebnisse, berichtet von ungewöhnlichen Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen und verknüpft alles behutsam mit ein wenig ostdeutscher Zeitgeschichte.
Das Buch wurde mir vom Paperento Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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